Rezensionen und Leserzuschriften zu „Schweigen über Lilo“

Schweigen über Lilo. Die Geschichte der Lieselotte Herrmann. 1. Neuaufl. Allstedt: BuchHandelsGesellschaft, ISBN 978-3-946696-46-9


Auswahl aus den 28 Presseartikeln und 58 Leserzuschriften zum Buch


Hamburg, 20.05.2024

Guten Tag Frau Clemens,
vor zwei Wochen fand ich in dem Bücherhäuschen, das wir vor unserem Haus aufgestellt haben, Ihr Buch „Schweigen über Lilo“. Ich, eher ein Zeitungsleser, habe es gegen meine Gewohnheit sehr schnell durchgelesen. Stellenweise vielleicht zu schnell. Aber das Buch hat mich von den ersten Zeilen an in Bann geschlagen. Nur wenn die Schilderungen des Gefängnisalltags von Lilo mich zu sehr berührten, musste ich das Buch eine Weile weglegen.
Eigentlich habe ich seit geraumer Zeit eher einen Bogen um Bücher über die Nazi-Zeit gemacht. Ich glaubte genug gelesen und erfahren zu haben und habe mich zunehmend gegen den zeitgeistigen Moralismus gesperrt, der ständig Achtung 33! ruft, um vom Versagen der gegenwärtigen Politik abzulenken.
Ihr Buch aber beleuchtet auf so intensive Weise die Verbrechen der Nazis (und deren Verdrängung nach dem Krieg), dass ich mich dem nicht entziehen kann (was ich unbewusst vielleicht doch möchte). Darüber hinaus eröffnet das Buch mir als Wessi eine mir bisher unbekannte antifaschistische Opferfigur und deren Kult in der DDR, die eigentlich genauso bekannt sein müsste wie Sophie Scholl. 
Schließlich bietet mir Ihr Buch noch einen Einblick in den Alltag von jemandem, der in der DDR unbequeme Forschung betrieb. 
Das alles aber hätte ich Ihnen wohl nicht geschrieben, wenn mich nicht auch Ihre sprachliche Gestaltung beeindruckt und Ihr Konzept der Durchdringung der verschiedenen Zeit- und Inhaltsebenen überzeugt hätten.
Besten Dank für dieses Buch. Rudolf W.


Grafing, 29.06.2011

Sehr geehrte Frau Clemens,
wir sind zufällig derselbe Jahrgang und ich habe mit Interesse ihr Buch gelesen. Gut, dass sich Menschen wie Sie solche Themen annehmen. Warum aber so larmoyant über die manchmal etwas steife, manchmal etwas einseitige Antifaschismuspolitik der DDR richten? Mein kritischer Hinweis meint dies im Vergleich zur BRD. Froh hätte man sein können, wenn diese nur ansatzweise wenigstens solche Politik gemacht, auch nur zugelassen hätte. Wie wir heute alle wissen, konnte man hierzulande trotz Nazivergangenheit (dito deutschnationale Vergangenheit) alles werden, sogar Kanzler (Kiesinger), Präsident (Lübke), Ministerpräsident (Filbinger), Geheimdienstchef (Gehlen). In der Bundeswehr war es anfangs sogar praktisch Voraussetzung, um in Führungspositionen zu kommen. Ebenso bei Gerichten, in der Wissenschaft etc. nur wenn offenkundig war, dass man etwa KZ-Kommandant o. ä. war, hat man auch hier Pech gehabt. Von daher finde ich schon, dass sich die Kritik an der DDR diesbezüglich etwas relativiert, es gab in der Bundesrepublik eben kein Gedenken an Lilo Herrmann, sondern fast nur an den – meist reichlich späten – militärischen, den bisschen großbürgerlich/adligen und den sehr geringen christlichen Widerstand.

Und nebenbei bemerkt, was DDR-Funktionäre, insbesondere von der Staatssicherheit betrifft, geht man von Anfang an rigoros vor. So, als wären sie schlimmer als das mörderische Naziregime gewesen. Aber das ist ja vielleicht systembedingt, womit wir bei einem weiteren Thema wären.

Mit freundlichen Grüßen Manfred S.


per Mail, 07.10.2010

Liebe Frau Clemens, ich habe jetzt Ihr Werk von 1993 über Liselotte Herrmann über die „Andere Buchhandlung“ bezogen und gelesen. Es fesselte mich, es zog mich mit Ihrer ausgefeilt prägnanten Sprache in die zurückliegenden Jahre, ich folgte Ihrem qualvollen, von DDR-Organen behindertem und doch unnachgiebigen (was für ein Energie Sie aufgebracht haben! Unglaublich!) Suchen, ich empfand mit Lilo sozusagen mit. Das kleine Werk ist ein ganz großes. Ich werde es weiter empfehlen.

Danke! Ralph V.


Schwerin, 30.07.1998

Sehr geehrte, liebe Frau Dr. Clemens,
von ganzem Herzen möchte ich mich für „Lilo“ bedanken. Um ehrlich zu sein, begann ich die Seite mit drei Fragezeichen, ob mir „Lilo“ wohl auch so gut wie „Marga“ gefallen würde. Und ich muss sagen, fast noch mehr. Jedenfalls hatte ich das Buch ebenso wie Marga in einem Ritt durch. Man kann nicht aufhören. Dabei ist – für mich – das Berichten über die Recherchen das Eigentlich. Nicht dass mir das Leben und Wirken von Liselotte Herrmann egal wäre, aber die Suche nach ihrem Sein ist so mitreißend, weil sie einem etwas über die Suche nach Wahrheit und Wirklichkeit überhaupt auftut. Das lässt mich nach dem Lesen nicht los.

Ingrid H.


Hannover, 11.11.1994

Sehr geehrte Frau Clemens,
Im Juli 1994 hatte ich das große Glück, im abendlichen Fernsehen (N3) Ihre Recherchen über die kommunistische Widerstandskämpferin Liselotte Herrmann anschauen zu können. Die Dokumentation beeindruckte mich stark. Ich bin voll eingenommen von Ihrem Engagement, der Ausdauer, dem Idealismus, – darüber hinaus von Ihrer Courage um das Wagnis des Alleinganges.

Das Schicksal von Lilo beschäftigte mich seit langem. Als eine am Thema „Widerstand“ interessierte Privatperson versuchte ich bereits vor Jahren vergeblich, Literatur oder Materialien zu gelangen … gewiss, das Fernsehen der DDR strahlte eine Dokumentation aus, aber nicht mehr. Und hierzulande, im Westen? Das wäre wohl ein „exotisches“ Anliegen gewesen. – Oftmals fragte ich mich, wieso das wohl gerechtfertigt sein dürfte, Schicksale totzuschweigen, nur weil politisch nonkonform (aber: es ging ausschließlich um Widerstand gegen Hitler!!). Hätte nicht eine objektive Geschichtsvermittlung verpflichtet sein müssen, sich zu stellen?

Ich erlaube mir hiermit, Ihnen ganz persönlich zu danken. Weil es Ihnen gelungen ist, das Schweigen über Lilo zu brechen.

Mit freundlichem Gruß Heide K.


Westfälische Rundschau, Nr. 151, 02.07.1993


Schwerin, 24.06.1993

Liebe Ditti Clemens,
Ich habe ganz ähnliche Erfahrung gemacht, wie sie von Ihnen beschrieben werden. … Ich ließ es dann, nachdem das „ND“ mir schrieb, sie könnten keinen Aufruf nach Zeitgenossen, Kollegen, Schülern, Nachbarn des Gemordeten drucken, das überstiege die Kompetenz des Blattes.

Sie, liebe Kollegin, unterließen es nicht. Dafür bin ich Ihnen dankbar. Sie haben ein gutes Buch geschrieben, dass auch einem Nicht-Kommunisten wie mir Hochachtung abnötigt. Lilo Herrmann war eine großartige Frau. Und die neudeutschen Schlaumeier, die ihr nun mit der Löschung von Straßen- und Schulnamen nachträglich die Ehre aberkennen, sind erbärmliche Aschlöcher.
Mit herzlichen Gruß Ihr Jürgen B.


Lustadt, 31.05.1993

Liebe Frau Clemens,
ich habe gerade ihr Buch über das Leben von Liselotte Herrmann gelesen und möchte Ihnen für dieses beeindruckende Buch herzlich danken. Ich habe das Buch mit viel Anteilnahme und Bewunderung gelesen. Das Thema Nationalsozialismus und Drittes Reich haben mich schon immer sehr interessiert und ich habe schon viele Bücher darüber gelesen. Aber den Namen Liselotte Herrmann fand ich in noch keinem Brief geschrieben. Auch in meinem Lexikon war sie nicht erwähnt. So haben Sie mit Ihrem Buch eine scheinbar schon vergessene Frauengestalt des deutschen Widerstandes in die Erinnerung der Menschen zurückgeholt. Dass Sie das Leben der Liselotte Herrmann recherchiert haben, ist eine große Bereicherung für das Literaturangebot über dieses Thema. Frauen, die sich für ihre Überzeugung so standhaft eingesetzt haben und auch dafür gestorben sind, soll und darf man nicht vergessen. Da der Rassismus und Nationalismus in Deutschland wieder im Aufwind ist, müssten uns solche Menschen Mut machen solche Aktivitäten zu bekämpfen, aktiv und nicht passiv.

Nochmals herzlichen Dank für dieses wunderbare und beeindruckende Buch. Ich wünsche mir und Ihnen, dass Ihnen noch viele solche Bücher gelingen.

Mit herzlichen Grüßen Birgit W.-B.


Schwerin, 21.02.1993

Liebe Ditti, eben habe ich dein Buch ausgelesen – ich gratuliere dir aus ganzem Herzen! Es ist SEHR SEHR gut und ich freue mich so, Dir das schreiben zu können. Ich verstehe nun auch, dass du Angriffen ausgesetzt bist, aber du kannst das aushalten. Dein Buch kann den niemand streitig machen. Es wird etliche geben, die die Qualität deiner Arbeit zu schätzen wissen! Deine Sprache ist schön und angemessen.

Jutta S.


NNN, 10.02.1993

SVZ 10.02.1993


FAZ 03.04.1993