Aber mich fragt ja keiner

Ich kann ihn nicht abschaffen. Ich muss ihn nehmen, wie er ist. Wenn es nach mir ginge, gäbe es im Jahr zweimal Mai und keinmal November. Aber mich fragt ja keiner.

Wäre es nicht schön, wenn gleich nach einem goldenen Herbst der Dezember seine Lichterketten anschaltete? Doch dazwischen hängt immer noch der düstere November rum. Der Dichter Heinrich Seidel hat den November tatsächlich gelobt. Er stellte fest, dass dieser Monat so verdrießlich wie kein anderer ist, in Wolken maulen und mit Sturmwind graulen kann. „Und wie nass er alles macht! Ja, es ist’ ne wahre Pracht“, schreibt Seidel.

Da stimme ich doch eher Erich Kästner zu. Bei ihm trägt der November Trauerflor. Für dieses Gedicht und seine zwölf anderen in seinem Gedichtzyklus „Die 13 Monate“ würde ich Kästner den Nobelpreis verleihen. Aber mich fragt ja keiner.

Und wenn mich jemand fragen würde, wie man seine Stimmung aufhellen kann, in einem Monat in dem das Tageslicht so früh ausgeknipst wird, hätte ich einige Ratschläge:
Sich warmen mit Hühnerbrühe und Glühwein und weniger Nachrichten konsumieren. Die machen die Trübsal nur noch größer.

Rudi Carrell hat einmal gesagt: „Nachrichtensprecher fangen stets mit ,Guten Abend‘ an und brauchen dann 15 Minuten, um uns zu erklären, dass es kein guter Abend ist.“

Wenn ich Texte für Nachrichtensprecher verfassen dürfte, dann würde ich dafür sorgen, dass die Leute zum Abschluss auch etwas zum Schmunzeln hätten. Es gibt doch auch Kurioses zu berichten. Zum Beispiel von einem entflogenen Papagei, der in einer 30ger Zone mit überhöhter Geschwindigkeit geblitzt wurde, oder von einem betrunkenen Autofahrer, der mit dem Alkoholtestgerät telefonieren wollte. Und in den Nachrichtentext würde ich immer ein paar kleine Versprecher einbauen. Wie zum Beispiel das gemeinsamste Kleinsame oder wir können unberuhigt sein oder bierisch ernst. Damit würden die Nachrichtensprecher nicht nur uns zum Lachen bringen, sondern auch sich selbst. Vielleicht könnten sie dann noch beim Verlesen der Lottozahlen kichern, so wie einst Dagmar Berghoff, als sie vom WC Tournier berichtete.
Aber mich fragt ja keiner.

November 2016

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.